Krankheitskonzept
Eine Suchterkrankung ist nicht die Folge von Faulheit, Schwäche, Unmoral oder Dummheit. Sie ist eine Krankheit, kein Zeichen von Moral- oder Charakterschwäche. Sucht entsteht typischerweise bei Menschen, die unter chronischem Stress, emotionalem Schmerz, sozialen Problemen, traumatischen Erlebnissen, mangelnden Bewältigungsstrategien und einem negativen Selbstbild leiden. Wir sind keine schlechten Menschen, die gut werden wollen; wir sind kranke Menschen, die gesund werden müssen.
Wenn man zum ersten Mal hört, dass zwanghaftes Spielen als Krankheit oder Störung bezeichnet wird, mag man das belächeln. Für nicht-süchtige Spieler, deren exzessive Spielzeit Probleme im Alltag verursacht, mag Gaming einfach ein Hobby oder ein Zeitvertreib sein. Doch für diejenigen unter uns, die zwanghaft und unkontrolliert spielen, die zwar versuchen, Grenzen zu setzen, diese aber immer wieder überschreiten, die selbst dann noch weiterspielen, wenn es längst langweilig und frustrierend geworden ist, und die unter sozialer Isolation, zerbrochenen Beziehungen, Schlafmangel, gesundheitlichen Problemen oder Depressionen leiden, befinden wir uns im Griff einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung. Wird die Erkrankung behandelt, klingen die Symptome ab. Bleibt sie unbehandelt, flammen die Symptome auf und verschlimmern sich zunehmend.
Unser wiederholtes, zwanghaftes Verhalten und Denken scheinen tiefe Spuren im Gehirn hinterlassen zu haben. Diese stark gefestigten neuronalen Verbindungen schwächen sich zwar bei Nichtgebrauch ab, verschwinden aber nicht. Jede Form von Videospielen kann sie wieder aktivieren, selbst nach jahrelanger Abstinenz.
Wir haben uns diese Krankheit nicht ausgesucht, genauso wenig wie jemand mit einer körperlichen Erkrankung sich seine ausgesucht hat. Wie bei jeder Krankheit ist es am besten, sich darüber zu informieren, die Realität voll und ganz zu akzeptieren, Behandlungsmethoden zu erforschen und das zu tun, was anderen Betroffenen geholfen hat. Mit dieser Einstellung können wir aufhören, uns selbst Vorwürfe zu machen, und lernen, uns selbst anzunehmen und liebevoll mit uns umzugehen. Wir können heilen und zu den Menschen werden, die wir sein sollen.
















