Verlangen und Drang

Sobald wir keine Videospiele mehr spielen, ist es normal, häufig ein Gefühl der Unruhe und Antriebslosigkeit zu verspüren und sich nach Linderung von Unbehagen oder emotionalem Schmerz zu sehnen. Solche Gelüste führen oft unmittelbar zu dem Drang, Videospiele zu spielen. Mit der Zeit treten diese Gefühle seltener auf und werden weniger intensiv.

Eine der besten Methoden, mit dem Drang zum Spielen umzugehen, ist, ihn mit einem anderen Betroffenen in der Genesungsphase zu besprechen. Offener und ehrlicher Austausch scheint dem Drang die Macht zu nehmen. In den ersten Monaten suchen wir häufig den Kontakt zu anderen in Treffen und am Telefon, um den Drang zum Spielen zu überwinden. Selbst ohne dass die andere Person etwas sagt, können wir oft die Fehler in unserem Denken erkennen, indem wir sie in Worte fassen und laut aussprechen.

Der Besuch von Treffen und das Wissen, dass wir mit diesem Kampf nicht allein sind, ist ungemein hilfreich. Es gibt uns Hoffnung, von denen zu hören, die kaum noch Suchtdruck verspüren und ihn schnell und einfach bewältigen können. Jeder überstandene Suchtdruck ist ein Kampf weniger. Doch wenn wir dem Drang nachgeben und rückfällig werden, müssen wir jeden Suchtdruck erneut durchleben.

Jeder Drang bietet die Gelegenheit, unseren ersten Schritt – die Erkenntnis unserer Machtlosigkeit und Unkontrollierbarkeit gegenüber der Sucht – zu bekräftigen. Wir können ihn als Erinnerung nutzen, um uns das Ende unserer Spielzeit vor Augen zu führen und uns an die Einsamkeit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und den Selbsthass zu erinnern, dem wir damals ausgesetzt waren. Wir erinnern uns an die Probleme, den Schmerz und die Verluste und daran, wie verzweifelt wir waren, dem Teufelskreis zu entkommen. Spielsucht bringt Schmerz, keine Erleichterung. Anfangs dauert es eine Weile, bis der Drang nachlässt, aber mit der Zeit wird es besser. Es kann zur Gewohnheit werden und manchmal schnell vorbei sein, so dass wir es kaum noch bemerken.

Es hilft auch, aktiv zu werden und auf sich selbst zu achten. Bewegung tut gut, auf andere Gedanken kommen. Ein Tapetenwechsel, ein Spaziergang, etwas Sport, Aufräumen oder ein Gespräch mit anderen können die Stimmung verbessern. Es ist außerdem hilfreich, sich an die HALT-Regel zu erinnern und sich zu fragen, ob man hungrig (Hungry), wütend (Angry), einsam (Lonely) oder müde (Tired) ist. Ein kurzes Nickerchen, ein kleiner Snack, Meditation, Lesen oder ein Telefonat können genau das Richtige sein, um einen Drang zu überwinden.